8. Vorl., Teil I

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Cornell Notes: Einführung in die Theoretische Philosophie, 8. Vorl., Teil I

Video Titel: Einführung in die Theoretische Philosophie, 8. Vorl., Teil I

Kanal: Paul Hoyningen

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Notizen

# Stichworte / Hauptideen

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Einleitung & Rückblick: Leib-Seele-Problem

Philosophischer Behaviorismus

Kritik am Philosophischen Behaviorismus

Identitätstheorie

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# Notizen

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Die Vorlesung behandelt das Leib-Seele-Problem und verschiedene Ansätze zu dessen Lösung. 00:00:19

Der Substanzdualismus von Descartes postuliert zwei Substanzen: die materielle (ausgedehnte) und die mentale (denkende). 00:00:37

Das Hauptproblem ist die schwer denkbare Interaktion zwischen diesen sehr verschiedenen Substanzen. 00:01:08

Nach dem 17. Jahrhundert gab es lange keine große Entwicklung, bis im 20. Jahrhundert der Substanzmonismus mit Eigenschaftsdualismus aufkam. 00:01:20

Der philosophische Behaviorismus, entwickelt in den 1950er Jahren von Gilbert Ryle und Carl Gustav Hempel, ist eine solche Position. 00:01:45

Ryle argumentiert, dass die Annahme des Geistes als eigenständige Substanz ein Kategorienfehler sei. 00:02:03

Ein Kategorienfehler liegt vor, wenn man Begriffe aus verschiedenen Kategorien gleich behandelt, z.B. eine Mannschaft wie einzelne Spieler. 00:02:23

Dieser Fehler wird durch den alltäglichen Sprachgebrauch nahegelegt, der Geist und Materie als verschiedene Substanzen thematisiert. 00:02:50

Ziel der sprachanalytischen Philosophie ist es, diese sprachlich bedingte Verwirrung oder den Kategorienfehler aufzuheben, um Scheinprobleme aufzulösen. 00:03:27

Ryle prägte den Begriff "Gespenst in der Maschine" (the Ghost in the Machine), um das Dilemma des Substanzdualismus zu beschreiben. 00:06:00

Leibniz's Analogie des vergrößerten Gehirns als Mühle, in der man keine Gedanken findet, illustriert dieses Problem. 00:06:09

Die zentrale These des philosophischen Behaviorismus ist, dass mentale Zustände eigentlich Verhaltensdispositionen sind. 00:07:09

Eine Disposition ist eine latente Eigenschaft, die unter bestimmten Bedingungen manifest werden kann. 00:08:02

Beispiele sind die Zerbrechlichkeit von Glas oder die Löslichkeit von Zucker, die physikalische, aber nicht direkt beobachtbare Eigenschaften sind. 00:08:09

Mentale Eigenschaften können auf physische Eigenschaften (Verhaltensdispositionen) zurückgeführt werden; dies ist eine reduktionistische Position. 00:09:21

Beispiele: Durstig sein ist die Disposition, sich in Richtung Trinkbarem zu bewegen; Aufgeregt sein ist die Disposition zu stärkeren Handbewegungen oder unwirschem Reagieren. 00:13:48

Die Plausibilität dieser Position ergibt sich aus der Beobachtung, dass wir psychische Zustände bei anderen Menschen immer nur über physische Indikatoren zuschreiben. 00:14:44

Der "Linguistic Turn" in der Philosophie (angestoßen von Wittgenstein) besagt, dass viele traditionelle philosophische Probleme Resultate eines irreführenden, undurchschauten Sprachgebrauchs sind. 00:18:43

Diese Herangehensweise versprach einen "Neuanfang" in der Philosophie, indem sie Probleme durch Sprachanalyse auflöst oder transformiert. 00:19:39

Trotz anfänglicher Attraktivität stieß der Behaviorismus auf Schwierigkeiten. 00:20:47

Ein Hauptproblem sind die Qualia: der subjektive Erlebnisgehalt eines mentalen Zustands. 00:20:54

Beispiele sind die spezifische Wahrnehmung von Rot, Blau oder Tönen, oder das Gefühl beim Kitzeln. 00:21:47

Es ist schwer vorstellbar, wie diese spezifischen subjektiven Empfindungen vollständig auf Verhaltensdispositionen reduziert werden können. 00:23:40

Ein weiteres Problem ist, dass mentale Zustände meist nicht einzeln, sondern nur im Verbund mit anderen mentalen Zuständen zu konkretem Verhalten führen (Holismus). 00:26:11

Der Gedanke "2 + 2 = 4" lässt sich nicht einfach einer einzelnen Verhaltensdisposition zuordnen. 00:30:14

Aufgrund dieser und weiterer Schwierigkeiten verlor der philosophische Behaviorismus an Akzeptanz. 00:31:48

Die Identitätstheorie entstand aus der Kritik am Behaviorismus. 00:33:24

Sie behauptet, dass alle mentalen Zustände mit physischen Zuständen (Gehirnzuständen) identisch sind. 00:34:27

Der Unterschied zwischen Mentalem und Physischem liegt nicht in der Sache selbst, sondern allein in der Beschreibung. 00:35:02

Analogie: Zwei verschiedene Beschreibungen können sich auf denselben Gegenstand beziehen, ohne dass dies aus den Beschreibungen selbst ersichtlich ist. 00:35:26

Beispiel: Die zweitgrößte Universität Niedersachsens ist identisch mit der Universität, deren Hauptgebäude das Welfenschloss ist (Leibniz Universität Hannover). 00:36:02

Ein weiteres historisches Beispiel ist die Identität von Morgenstern und Abendstern (Venus). 00:38:24

Es gibt zwei Hauptvarianten der Identitätstheorie, die sich auf die Unterscheidung von Type und Token stützen. 00:39:41

Die Typenidentität (Type-Type Identity) besagt, dass jeder Typ von mentalen Zuständen mit einem bestimmten Typ von neuronalen Zuständen identisch ist. 00:42:56

Beispiel: Kochsalz ist NaCl; jeder Schmerztyp ist identisch mit einem bestimmten Gehirnzustandstyp. [2437.8s, 2613.0s]

Diese Identitäten müssen empirisch herausgefunden werden. 00:41:41

Die Typenidentität ist attraktiv, da sie das Problem der Leib-Seele-Interaktion (insbesondere der Downward Causation, also der Wirkung des Mentalen auf das Physische) elegant lösen würde. 00:44:00

Wenn der Gedanke, den Arm zu heben, identisch ist mit einem bestimmten neuronalen Zustand, dann hat dieser neuronale Zustand kausale Folgen. 00:45:55

Es gibt jedoch Zweifel an der Plausibilität der Typenidentität. 00:47:29

Ist derselbe Gedanke (z.B. 2x2=4) in verschiedenen Menschen wirklich neuronal auf exakt die gleiche Weise realisiert? 00:47:41

Die Gehirne sind sehr unterschiedlich, und auch die Analogie zur Informationsspeicherung auf Festplatten zeigt, dass Information in sehr unterschiedlichen physischen Formen existieren kann. 00:48:25

Das Problem verstärkt sich bei der Betrachtung von Transspezies-Fällen (z.B. Schmerz bei Katze und Mensch). 00:49:53

Aufgrund dieser Schwierigkeiten wird oft die Token-Identität (Token-Token Identity) bevorzugt. 00:51:05

Diese besagt, dass jeder einzelne mentale Zustand mit einem bestimmten einzelnen physischen Zustand identisch ist. 00:51:07

Die Token-Identität vermeidet die Probleme der Typenidentität, führt aber zu neuen Schwierigkeiten, da sie die Eleganz und die Erklärungskraft der Typenidentität in Bezug auf allgemeine kausale Zusammenhänge wieder verliert. 00:51:20

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Fragen

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Zusammenfassung

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Die Vorlesung führt in das Leib-Seele-Problem ein und rekapituliert den Substanzdualismus nach Descartes, dessen Hauptproblem die Interaktion zweier unterschiedlicher Substanzen ist. Anschließend wird der philosophische Behaviorismus vorgestellt, der in den 1950er Jahren von Ryle und Hempel entwickelt wurde. Diese Position argumentiert, dass die Annahme eines eigenständigen Geistes ein Kategorienfehler sei, der durch irreführenden Sprachgebrauch entsteht. Mentale Zustände werden als Verhaltensdispositionen interpretiert, d.h. als latente physische Eigenschaften, die unter bestimmten Bedingungen manifest werden. Dies ist eine reduktionistische Position, die das Problem der Leib-Seele-Interaktion durch die Zurückführung des Mentalen auf das Physische zu lösen versucht. Die Plausibilität wird durch die Beobachtung gestützt, dass wir psychische Zustände bei anderen stets über physische Indikatoren erschließen.

Der Behaviorismus stieß jedoch auf erhebliche Kritik, insbesondere im Hinblick auf die Qualia (den subjektiven Erlebnisgehalt mentaler Zustände) und das Problem, dass mentale Zustände oft nur im Verbund zu Verhalten führen. Diese Schwierigkeiten führten dazu, dass der Behaviorismus in der Philosophie an Bedeutung verlor.

Als Alternative wird die Identitätstheorie eingeführt, die besagt, dass mentale Zustände mit physischen (Gehirn-)Zuständen identisch sind. Der scheinbare Unterschied zwischen Mentalem und Physischem wird als ein Unterschied in der Beschreibung derselben Sache erklärt, ähnlich wie der Morgenstern und der Abendstern dasselbe Objekt (Venus) beschreiben. Die Vorlesung unterscheidet zwischen zwei Varianten: der Typenidentität (jeder Typ mentaler Zustände ist identisch mit einem Typ neuronaler Zustände) und der Token-Identität (jeder einzelne mentale Zustand ist identisch mit einem einzelnen physischen Zustand). Die Typenidentität ist attraktiv, da sie das Problem der Kausalität zwischen Geist und Körper elegant lösen würde. Sie wird jedoch durch die Frage herausgefordert, ob derselbe mentale Typ in verschiedenen Individuen oder Spezies tatsächlich immer denselben neuronalen Typ aufweist. Die Token-Identität umgeht dieses Problem, führt aber zu anderen Schwierigkeiten, die die Erklärungskraft der Theorie mindern.